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Lehrstuhl für Neuere und
Neueste Geschichte

Prof. Dr. Ulrich Herbert
Albert-Ludwigs-Universität
Rempartstraße 15 - KG IV
D-79085 Freiburg

Tel.: +49 (0)761-203-3439
Fax: +49 (0)761-203-3504

 

Forschung

 

 
 

Das Reichsministerium der Finanzen in der Zeit des Nationalsozialismus

Homepage des Projekts: http://www.reichsfinanzministerium-geschichte.de

Das Reichsministerium der Finanzen spielte im „Dritten Reich“ beileibe keine Nebenrolle. Weder war es eine „Aufsichtsbehörde ohne politischen Rückhalt“, noch fungierte Lutz Graf Schwerin von Krosigk, der dem Haus von 1932 bis 1945 vorstand, lediglich als „Hauptbuchhalter der Nation“. Eine solche Interpretation liegt auf der Linie der Entlastungsstrategie leitender Beamter des Reichsfinanzministeriums nach 1945. Zwar konnten diese nicht einfach verschweigen, wie sie im NS-System agiert hatten. Doch entwarf die ehemalige Führungsspitze des Reichsfinanzministeriums mit hoher Deutungskraft das Bild einer politisch neutralen Verwaltung, die allein fachlichen Grundsätzen gefolgt sei. Hinter diesem Selbstbild verblasste, welchen unverzichtbaren Beitrag das Reichsfinanzministerium zum Funktionieren, zur Stabilität und damit zur verbrecherischen Politik des NS-Regimes geleistet hatte: erstens, indem es das Unrechtsregime samt seiner Politik der Aufrüstung und Kriegführung finanzierte; und zweitens, indem es sich dazu mit Steuern und Kredit nicht allein der herkömmlichen Mittel bediente, sondern in großem Umfang auf schlichten Raub setzte.

Die historische Forschung hat sich in den letzten zehn Jahren in regional oder lokal angelegten Studien durchaus mit der Frage beschäftigt, ob und wie die Finanzbürokratie an der Verfolgungs- und Raubpolitik des NS-Regimes mitwirkte. Was bis heute fehlt, ist eine wissenschaftliche Untersuchung von Struktur, Tätigkeit und politischem Gewicht des Ministeriums in der Zeit des Nationalsozialismus. 2009 beauftragte das Bundesministerium der Finanzen deshalb eine siebenköpfige, international zusammengesetzte Kommission von unabhängigen Historikern, genau das zu untersuchen.

Das Forschungsprogramm, das die Kommission entworfen hat, bündelt sich zu drei Schwerpunkten: Der erste Schwerpunkt ist eine modernen wissenschaftlichen Ansprüchen genügende Geschichte des Reichsfinanzministeriums als Behörde (Projekt 1: Institutionengeschichte des Reichsministeriums der Finanzen). Die Behördengeschichte wird erweitert und vertieft durch Projekte, die sich den Säulen nationalsozialistischer Aufrüstungs- und Kriegsfinanzierung widmen. So nimmt der zweite Schwerpunkt die Steuerpolitik des Ministeriums in den Blick (Projekt 2: Steuerpolitik). Der dritte Schwerpunkt ist der nationalsozialistischen Raub- und Beutefinanzierung gewidmet: zum einen der fiskalischen Judenverfolgung (Projekt 3: Fiskalische Judenverfolgung); zum anderen der Einziehung des Vermögens der sogenannten „Reichsfeinde“ von den politischen Emigranten und den durch das Regime Ausgebürgerten über Sinti und Roma bis hin zu politisch missliebigen Personen und Institutionen (Projekt 4: Vermögen der „Reichsfeinde“); schließlich der Ausplünderung der eroberten Länder (Projekte 5: Reichsfinanzverwaltung im Generalgouvernement; Projekt 6: Reichsfinanzministerium und monetäre Ausbeutung Europas). Bei den skizzierten Schwerpunkten wird es jeweils darum gehen, die Handlungsspielräume bei der Mixtur aus Steuer-, Kredit- und Raubfinanzierung auszuloten. Damit verbindet sich die Frage, welche Stellung das Finanzministerium im nationalsozialistischen Herrschaftsgefüge innehatte, wo seine Macht wuchs, wo es an Einfluss verlor, welche Netzwerke es innerhalb des Ministeriums gab, wie Entscheidungsprozesse abliefen.
 

Wissenschaftliche Kommission:

  • Jane Caplan

  • Ulrich Herbert

  • Hans Günter Hockerts

  • Werner Plumpe

  • J. Adam Tooze

  • Hans-Peter Ullmann

  • Patrick Wagner

   

Teilprojekte:

  • Institutionengeschichte des Reichsministeriums der Finanzen (Stefanie Middendorf)

  • Steuerpolitik (Ralf Banken)

  • Fiskalische Judenverfolgung (Christiane Kuller)

  • Vermögen der „Reichsfeinde“ (Josephine Ulbricht)

  • Reichsfinanzverwaltung im Generalgouvernement (Ramona Bräu)

  • Reichsfinanzministerium und monetäre Ausbeutung Europas (Jürgen Kilian)


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Geschichte der Deutschen Forschungsgemeinschaft 1920-1970

 
 

Das Forschungsprojekt "Geschichte der Deutschen Forschungsgemeinschaft 1920-1970", wurde von Prof. Herbert und Prof. vom Bruch (HU Berlin) von 2001 bis 2008 geleitet und von der DFG gefördert. Es bestand aus 19 Einzelvorhaben, die an acht Hochschulen bzw. Forschungseinrichtungen durchgeführt wurden.

Die Ergebnisse wurden in zwei Buchreihen veröffentlicht, den „Beiträgen zur Geschichte der Deutschen Forschungsgemeinschaft“ und den „Studien zur Geschichte der Deutschen Forschungsgemeinschaft“, herausgegeben von Ulrich Herbert, Rüdiger vom Bruch und Patrick Wagner.

Bisher sind erschienen:
  • Corinna R. Unger: Ostforschung in Westdeutschland. Die Erforschung des europäischen Ostens und die Deutsche Forschungsgemeinschaft, 1945 – 1975. Studien zur Geschichte der Deutschen Forschungsgemeinschaft, Band 1, Stuttgart 2007.
  • Anne Cottebrune: Der planbare Mensch. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft und die menschliche Vererbungswissenschaft, 1920–1970. Studien zur Geschichte der Deutschen Forschungsgemeinschaft, Band 2, Stuttgart 2008.

  • Sören Flachowsky: Von der Notgemeinschaft zum Reichsforschungsrat. Wissenschaftspolitik im Kontext von Autarkie, Aufrüstung und Krieg. Studien zur Geschichte der Deutschen Forschungsgemeinschaft, Band 3, Stuttgart 2008.
  • Willi Oberkrome: Ordnung und Autarkie. Die Geschichte der deutschen Landbauforschung, Agrarökonomie und ländlichen Sozialwissenschaft im Spiegel von Forschungsdienst und DFG (1920–1970). Studien zur Geschichte der Deutschen Forschungsgemeinschaft, Band 4,  Stuttgart 2008.

  • Friedemann Schmoll: Die Vermessung der Kultur. Der "Atlas der deutschen Volkskunde" und die Deutsche Forschungsgemeinschaft 1928-1980. Studien zur Geschichte der Deutschen Forschungsgemeinschaft, Band 5, Stuttgart 2009.
  • Klaas-Hinrich Ehlers: Der Wille zur Relevanz. Die Sprachforschung und ihre Förderung durch die DFG 1920–1970. Studien zur Geschichte der Deutschen Forschungsgemeinschaft, Band 6, Stuttgart 2010.

  • Gabriele Moser: Deutsche Forschungsgemeinschaft und Krebsforschung 1920–1970. Studien zur Geschichte der Deutschen Forschungsgemeinschaft, Band 7, Stuttgart 2011.
  • Karin Orth: Autonomie und Planung der Forschung. Förderpolitische Strategien der Deutschen Forschungsgemeinschaft 1949–1968. Studien zur Geschichte der Deutschen Forschungsgemeinschaft, Band 8, Stuttgart 2011.

  • Heiko Stoff: Wirkstoffe. Eine Wissenschaftsgeschichte der Hormone, Vitamine und Enzyme, 1920–1970. Studien zur Geschichte der Deutschen Forschungsgemeinschaft, Band 9, Stuttgart 2012.
  • Alexander von Schwerin: Strahlenforschung. Bio- und Risikopolitik der DFG, 1920–1970. Studien zur Geschichte der Deutschen Forschungsgemeinschaft, Band 10, Stuttgart 2015.


Beiträge zur Geschichte der Deutschen Forschungsgemeinschaft:

  • Wolfgang U. Eckart (Hg.): Man, medicine and the state. The human body as an object of government sponsored medical research in the 20th century. Beiträge zur Geschichte der Deutschen Forschungsgemeinschaft, Band 2, Stuttgart 2006.
  • Michael Zimmermann (Hg.): Zwischen Erziehung und Vernichtung. Zigeunerpolitik und Zigeunerforschung im Europa des 20. Jahrhunderts. Beiträge zur Geschichte der Deutschen Forschungsgemeinschaft, Band 3, Stuttgart 2007.
  • Karin Orth, Willi Oberkrome (Hg.): Die Deutsche Forschungsgemeinschaft 1920-1970. Forschungsförderung im Spannungsfeld von Wissenschaft und Politik. Beiträge zur Geschichte der Deutschen Forschungsgemeinschaft, Band 4, Stuttgart 2010.
  • Helmuth Trischler, Mark Walker (Hg.): Physics and Politics. Research and Research Support in Twentieth Century Germany in International Perspective. Beiträge zur Geschichte der Deutschen Forschungsgemeinschaft, Band 5, Stuttgart 2007.
  • Mark Walker, Karin Orth, Ulrich Herbert, Rüdiger vom Bruch (Hg.): The German Research Foundation 1920–1970. Funding Poised between Science and Politics. Beiträge zur Geschichte der Deutschen Forschungsgemeinschaft, Band 6, Stuttgart 2010.

 

 


Auswahl


 
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Quellenedition: Die Verfolgung und Ermordung der europäischen Juden 1933-1945

Das Editionsvorhaben wird von der DFG als Langzeitvorhaben seit dem 01.01.2005 gefördert und ist ein Gemeinschaftsprojekt des Lehrstuhls für Neuere und Neueste Geschichte, Freiburg, mit dem Institut für Zeitgeschichte und dem Bundesarchiv.

 

Die Homepage des Editionsvorhabens finden Sie hier.

Bisher erschienen:

 
Deutsches Reich 1933 - 1937,
bearb. v. Wolf Gruner, München 2008.
 
Deutsches Reich 1938 - August 1939,
bearb. v. Susanne Heim, München 2009.
 
Deutsches Reich und Protektorat September 1939 - September 1941,
bearb. v. Andrea Löw, München 2012.
 
Polen Sept. 1939 - Juli 1941,
bearb. v. Klaus-Peter Friedrich, München 2011.
 
West- und Nordeuropa 1940 - Juni 1942,
bearb. v. Katja Happe, Michael Mayer, und Maja Peers, München 2013.
 
Sowjetunion mit annektierten Gebieten I: Besetzte sowjetische Gebiete unter deutscher Militärverwaltung, Baltikum und Transnistrien,
bearb. v. Bert Hoppe und Hildrun Glass, München 2011.
 
  • Band 8:
Sowjetunion mit annektierten Gebieten II: Generalkommissariat Weißruthenien und Reichskomissariat Ukraine,
bearb. v. Bert Hoppe, München 2015.
 
Polen: Generalgouvernement August 1941 - 1945,
bearb. v. Klaus-Peter Friedrich, München 2014.
 
  • Band 12:
Westeuropa: Juni 1942 - 1945,
bearb. v. Katja Happe, Barbara Lambauer und Clemens Maier-Wolthausen,
München 2014.
 

 

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Band 8

Europa im 20. Jahrhundert 

Buchreihe, Verlag C.H. Beck, München

herausgegeben von Ulrich Herbert

Die geplante Buchreihe umfasst zunächst 11 Bände zur Geschichte europäischer Staaten im 20. Jahrhundert. Die Bände gehen von gemeinsamen Fragestellungen aus und sind nach einem einheitlichen zeitlichen Schema gegliedert. Besondere Aufmekrsamkeit gilt dabei der Zeitphase zwischen etwa 1890 und dem Ersten Weltkrieg mit der explosionsartigen Entfaltung der Industriegesellschaften und den 1970er Jahren an deren Ende: In diesen etwa 80 Jahren wurde das gesamte Arsenal an Optionen und Lösungsvorschlägen zu den Herausforderungen des Industrialismus entworfen und erprobt. Auf diese Weise soll es möglich werden, die Verflechtung zwischen den Weltkriegen, dem Holocaust, dem GuLag, dem Kolonialismus und dem Kalten Krieg sowie dem globalen Wiederaufstieg des demokratischen Kapitalismus nach 1945 zu untersuchen. Zugleich soll durch einen solchen Ansatz eine Basis für den Vergleich der europäischen Nationalgeschichten geschaffen werden, ohne den eine „europäische Geschichte“ des 20. Jahrhunderts nicht möglich ist.

Einzelbände:

  1. Hans Woller: Italien (2010)
  2. Franz-Josef Brüggemeier: Großbritannien (2010)
  3. Walter L. Bernecker: Spanien (2010)
  4. Wlodzimierz Borodziej: Polen (2010)
  5. Marie-Janine Calic: Jugoslawien (2010)
  6. Ulrich Herbert: Deutschland (2014)
  7. Jakob Tanner: Schweiz (2015)
  8. Dietmar Neutatz: Russland (2013)
  9. Matthias Waechter: Frankreich (erscheint vorr. Herbst 2018)
 

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Laufende Einzelstudien

  • Christiane Abele: Portugal und die Kolonialfrage, 1961-1974 (erschienen: Göttingen 2017)
  • Rüdiger Ahrens: Jugendbewegung und Nationalismus in der Weimarer Republik (erschienen: Göttingen 2014)
  • Katrin Armborst (geb. Zippel): A Blue Penciled World. The United Nation’s Take on Global Governance in the 1960s Congo Crisis
  • Helena Barop: Geschichte der interventionistischen Drogenpolitik der USA in den 1960er und 1970er Jahren

  • Jan Eckel: Geschichte der internationalen Menschenrechtspolitik (erschienen: Göttingen 2014)
  • Christina Eckert: Hermann Neubacher und die Deutsche Südosteuropapolitik im Zweiten Weltkrieg
  • Josef Foschepoth: Kalter Krieg in Deutschland. Rolle und Bedeutung der KPD im deutsch-deutschen Systemkonflikt 1949-1968
  • Martin Gutmann: Nicht-deutsche „Experten” in Gestaltung und Neuaufbau der besetzten Ostgebiete während des Zweiten Weltkriegs. 
  • Anna Catharina Hofmann: Modernisierung aus dem Geist der Gegenrevolution. Spanien unter dem Franco-Regime, 1950-1975
  • Philipp Karst: Jesuiten und Politik in Westdeutschland, Österreich und Italien in der Nachkriegszeit (1945-1958)
  • Ella Müller: Anti-Enviromentalism. Widerstände gegen Umweltschutz in den USA von 1969 bis in die früher 1990er Jahre
  • Anna Nedlin-Lehrer: Von Polen nach Palästina. Die Geschichte der Gründerinnen und Gründer des Ghetto Fighters Kibbutz
  • Arvid Schors: Geschichte der atomaren Rüstungskontrollverhandlungen in Zeiten des Kalten Krieges (SALT, 1969-1979) (erschienen: Göttingen 2016)
  • Christoph Seidler: Deutsche Ethnologie 1920-1970. Kontinuität und Wandel einer Wissenschaft im internationalen Kontext
  • Hideka Setta: Integration oder Rückkehrförderung? – Die westdeutsche Ausländerpolitik 1975 bis 1985
  • Jörg Später: Biografisches Forschungsprojekt. Siegfried Kracauer (1889-1966)
  • Larissa Wegner: Deutsche Kriegsbesetzung in Nordfrankreich 1914-1918
  • Thomas Zimmer: Welt ohne Krankheit. Geschichte der internationalen Gesundheitspolitik 1940-1970 (erschienen: Göttingen 2017)

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