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Forschungsgruppe Zeitgeschichte
Prof. Dr. Ulrich Herbert
Albert-Ludwigs-Universität

Postadresse:
Historisches Seminar
D-79098 Freiburg

Tel.: +49 (0)761-203-3439
Fax: +49 (0)761-203-3504

Büros:
Erbprinzenstraße 13
79098 Freiburg

 

Christian Stein

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Raum: Erbprinzenstraße 13, 2. Stock, Raum 11
Sprechstunde nach Vereinbarung

Tel.: +49 (0)761-203-9198

Postadresse:
Historisches Seminar der Albert-Ludwigs-Universität
Rempartstraße 15 - KG IV
D-79085 Freiburg

E-Mail: christian.stein(at)geschichte.uni-freiburg.de

 


Stipendien

 

CV

Geboren 1988 in Gießen, aufgewachsen in Eltville am Rhein.

Studium der Geschichte, Politikwissenschaft und Wirtschaftswissenschaft an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg.

Staatsexamen 2016, Examensarbeit über die Beraubung der Juden in Serbien und dem Banat durch die deutschen Besatzungsbehörden 1941-1944.

Seit Juni 2016 Doktorand am Lehrstuhl für Neuere und Neueste Geschichte der Universität Freiburg.

Januar 2018 bis September 2018 Fellow des Deutschen Historischen Instituts Moskau.

Seit Januar 2019 externer Wissenschaftlicher Mitarbeiter des Deutschen Historischen Instituts Moskau.

Von Januar 2019 bis einschließlich Dezember 2021 wird das Forschungsprojekt „Die deutschen Rückzüge an der Ostfront des 2. Weltkriegs 1941-45“ von der DFG gefördert. (Einzelförderung, Projektnummer 412596526)

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Forschung

Dissertation: Die Rückzüge der Wehrmacht an der Ostfront 1941-1945
Das Geschehen an der Ostfront des Zweiten Weltkrieges war in der zweiten Kriegshälfte im Wesentlichen durch die Rückzüge der deutschen Wehrmacht aus den eroberten Gebieten und dem gleichzeitigen Vorrücken der Roten Armee geprägt. Diese zweite Kriegshälfte ist von der westlichen Forschung bisher deutlich weniger beachtet worden als die deutschen Offensiven bis 1942 und noch unzureichend historisiert. Insbesondere das Verhalten der deutschen Soldaten auf den Rückzügen und die dabei begangenen Verbrechen stellen Forschungsdesiderate dar.

Thema
Nach dem Scheitern des Angriffs auf Moskau wurde die Wehrmacht im Winter 1941/42 zu improvisierten und verlustreichen Rückzügen gezwungen. Mit Beginn der sowjetischen Gegenoffensive versuchten die deutschen Truppen, durch Abbrennen von Häusern und Vorräten den sowjetischen Vormarsch zu behindern. Die Zivilbevölkerung der aufgegebenen Gebiete wurde der Roten Armee entgegengetrieben.

Anfang des Jahres 1943 folgten zwei länger geplante und vorbereitete Rückzugsbewegungen: Nach der deutschen Niederlage bei Stalingrad drohte die Heeresgruppe A im Kaukasusgebiet abgeschnitten zu werden. Die schwierige Räumung des Kaukasus fand unter erheblichem Zeitdruck statt, war aber intensiv vorbereitet. Der Fokus deutscher Zerstörungspraktiken ver-schob sich auf wirtschaftlich wichtige Objekte. Erstmals führten die deutschen Soldaten rund 150.000 Zivilisten mit sich. Im März 1943 räumten die 4. und 9. Armee den Frontbogen von Rschew und Wjasma mit der sogenannten Büffelbewegung. Generalstabsoffiziere bereiteten diese rund einen Monat lang akribisch vor und feierten sie später als regelrechten „Musterrückzug“. Zurück blieb ein weitgehend zerstörtes und entvölkertes Gebiet.

Seit Sommer 1943 war die Wehrmacht zu derartigen Operationen immer weniger in der Lage. Bei den Rückzügen in der Ukraine 1943/44 gelang es der Roten Armee immer häufiger, rückwärtige Stellungen zu durchbrechen bevor sie von den deutschen Truppen besetzt waren. Die deutschen Dienststellen gingen dazu über, die systematisch geplanten Zerstörungen und Zwangsevakuierungen zu improvisieren. Widerstandshandlungen der örtlichen Bevölkerung häuften sich und waren zunehmend erfolgreich.

Die oben beschriebenen Tendenzen kulminierten im Sommer 1944 in Weißrussland. Im Frühjahr 1944 verkündete Hitler den Übergang zur starren Verteidigung mit sogenannten „festen Plätzen“ als Ankerpunkten. Zahlreiche deutsche Truppenteile, die sich nicht oder zu spät zurückzogen, wurden eingekesselt und versprengt.

In der Endphase des Krieges kämpfte die Wehrmacht zunehmend auf Reichsgebiet. Zum einen sank damit die Bereitschaft zu geplanten Rückzugsbewegungen nochmals. Zum anderen erforderte dies nach Ansicht der Befehlshaber eigentlich mehr Rücksicht auf die Bevölkerung. Bestimmte Verhaltensweisen, wie das Abbrennen von Häusern oder das Plündern von Vorräten, waren im Verhalten der deutschen Soldaten jedoch bereits fest verankert.

Ziele und Fragen
Ziel des Forschungsprojektes ist eine systematische Untersuchung des Vorgehens der Wehr-macht bei Rückzügen auf breiter empirischer Basis. Erstens soll dabei analysiert werden, wie historische Referenzpunkte, vorangegangene Erfahrungen und Planungen in Bezug auf Rückzugsbewegungen im Verhalten der deutschen Soldaten wirksam wurden und wie sich solche Konzepte im Kriegsverlauf entwickelten. Zweitens ist die konkrete Praxis der Rückzüge vor Ort zu untersuchen. Drittens sollen die Auswirkungen der deutschen Rückzugsbewegungen – vor allem deren Wahrnehmung durch Angehörige von Wehrmacht und Roter Armee sowie sowjetische Zivilisten - untersucht werden.

Von einer Untersuchung der deutschen Rückzüge sind bedeutende Impulse für die historische Forschung zu erwarten. Im Vordergrund steht dabei die Historisierung der zweiten Kriegshälfte. Die Erforschung der deutschen Rückzüge eröffnet einen Blick darauf, welche Entwicklungen im Verlauf der zweiten Kriegshälfte ihren Fortgang nahmen, ihre spezifische Ausprägung fanden, an ihr Ende kamen oder ihren Ausgang hatten. Wichtige Beiträge sind überdies zu der Debatte über die Beteiligung der Wehrmacht an NS-Gewaltverbrechen zu erwarten.

Untersuchungsschwerpunkte
Die Untersuchung konzentriert sich auf folgende fünf Schwerpunkte, die nach jetzigem Kenntnisstand bedeutende Einschnitte markieren: 1) Die Winterkrise der Heeresgruppe Mitte 1941/42. 2) Den Rückzug der Heeresgruppe A aus dem Kaukasusgebiet im Januar/Februar 1943. 3) Die Räumung des Frontbogens von Rschew im März 1943. 4) Den Rückzug aus der Ostukraine im Spätsommer/Herbst 1943. 5) Die Rückzugsbewegungen in Weißrussland, Litauen und Polen im Sommer 1944. Die Rückzugsbewegungen vom Sommer 1944 bis zum Kriegsende werden in Form eines Ausblicks behandelt.

Quellen
Als Quellengrundlage dienen vor allem Akten der Wehrmacht aus dem Bundesarchiv-Militärarchiv Freiburg und dem Zentralarchiv des russischen Verteidigungsministeriums (CAMO). Um die deutsche Zerstörungs- und Vernichtungspolitik näher zu beleuchten, wer-den die Akten deutscher und alliierter Nachkriegsprozesse untersucht. Zudem werden persön-liche Aufzeichnungen deutscher Befehlshaber und Soldaten sowie Berichte westlicher Be-obachter ausgewertet. Um sowjetische Perspektiven auf die deutschen Rückzüge zu analysie-ren, soll auf verschiedene Quelleneditionen sowie Interviews mit der Bevölkerung der zu-rückeroberten Gebiete durch eine sowjetische Historikerkommission (Minc) zurückgegriffen werden.

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Vorträge

April 2015 im Oberseminar für Neuere und Neueste Geschichte (Prof. Dr. Ulrich Herbert).

Januar 2017 im Oberseminar für Neuere und Neueste Geschichte (Prof. Dr. Ulrich Herbert).

Mai 2017 beim Süddeutschen Nachwuchskolloquium Zeitgeschichte (Prof. Dr. Jan Eckel, Prof. Dr. Ulrich Herbert, Prof. Dr. Lutz Raphael, Prof. Dr. Dietmar Süß).

Dezember 2018 am Zentrum für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften der Bundeswehr (Dr. Gerhard P. Groß).

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Stipendien

Januar-September 2018: Fellowship am Deutschen Historischen Institut Moskau.

Seit Januar 2019 Einzelförderung des Forschungsprojekts „Die deutschen Rückzüge an der Ostfront des 2. Weltkriegs 1941-45“ durch die DFG (KA 731/9-1).

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Publikationen

Rezension zu: Clemens Wischermann, Katja Patzel-Mattern, Martin Lutz, Thilo Jungkind (Hg.), Studienbuch institutionelle Wirtschafts- und Unternehmensgeschichte, Stuttgart (Franz Steiner Verlag) 2015, 292 S. (Perspektiven der Wirtschaftsgeschichte, 6), ISBN 978-3-515-11122-5, in: Francia-Recensio 2017 (1).

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